Forschung und Entwicklung bei Bayer HealthCare
Bei der Wirkstoff-Findung konzentriert sich die Forschung der Division Pharmaceuticals auf vier Bereiche: Kardiologie & Hämatologie, Onkologie, Diagnostische Bildgebung und Frauengesundheit. Dabei gilt es, niedermolekulare Substanzen zu identifizieren und zu optimieren sowie neue Biologika zu entwickeln. Die Division erforscht und entwickelt innovative Wirkstoffe zur Behandlung von Erkrankungen mit hohem medizinischem Bedarf. Daneben wird die Weiterentwicklung bereits zugelassener Produkte betrieben. Ein Beispiel für einen innovativen Wirkstoff ist der Gerinnungshemmer Rivaroxaban (Handelsname Xarelto), der für die Prävention von Thrombosen nach elektiver Hüft- oder Kniegelenkersatzoperation bereits zugelassen ist, in 75 Ländern vermarktet wird und sich für weitere Indikationen in der Entwicklung befindet. Das Thrombosemedikament kann einmal täglich als Tablette eingenommen werden und ist dadurch eine wirkliche Innovation. Weitere innovative Substanzen in der Pipeline sind unter anderem der Wirkstoff Riociguat zur Behandlung des Lungenhochdrucks, das erste Medikament einer neuen Klasse gefäßerweiternder Substanzen. Ein weiterer Schwerpunkt der Kardiologie-Forschung ist die Herzschwäche.
Trotz großer Fortschritte in der Krebsbekämpfung ist der medizinische Bedarf an Thera-pien, die das Leben verlängern und die Lebensqualität verbessern können, nach wie vor hoch. Die Entwicklungspipeline in der Onkologie umfasst verschiedene zielgerichtet wirkende Antikörper sowie niedermolekulare Substanzen. Dazu zählen neben dem Wirkstoff Sorafenib (Handelsname Nexavar) die Entwicklungs-substanz Regorafenib, die verschiedene am Tumorwachstum und an der Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese) beteiligte Enzyme hemmt, sowie Alpharadin, ein neuartiges Alpha-Pharmazeutikum, das u. a. derzeit in einer Phase-III-Studie zur Behandlung von Prostatakrebs untersucht wird. Zur Therapie von schweren Augenerkrankungen könnte VEGF Trap-Eye einen wichtigen Beitrag leisten. Der Wirkstoff hat in zwei klinischen Phase-III-Studien zur Behandlung von feuchter, altersbedingter Makula-Degeneration vielversprechende Ergebnisse gezeigt und strebt als nächsten Schritt die Zulassung in Europa an.
Die Forschungsaktivitäten im Bereich der Diagnostischen Bildgebung fokussieren sich auf die Entwicklung von Substanzen (sogenannten Tracern) für die molekulare Bildge-bung, so für den Einsatz in der Positronen-Emissions-Tomographie (PET), die in Zukunft eine frühere und präzisere Diagnose von Krebs- oder auch Demenzerkrankungen unterstützen könnten. Die Division Pharmaceuticals arbeitet zudem auf dem Gebiet der Frauengesundheit, um unter anderem ein breites Spektrum an Möglichkeiten zur Verhütung anzubieten. Das reicht von der klinischen Prüfung eines Verhütungspflasters bis hin zu oralen Verhütungsmitteln, die zum Beispiel neben der Indikation Empfängnisverhütung für weitere Anwendungsfelder zugelassen werden sollen. Eine neue Klasse oraler Verhütungsmittel, deren Östrogenbestandteil auf Estradiol basiert – dem Östrogen, das auch der weibliche Körper selbst produziert, wurde 2009 in der EU zugelassen. Ein weiterer F&E-Schwerpunkt sind gynäkologische Therapien. Im zweiten Quartal 2010 konnte mit Visanne in Europa eine neue Behandlungsmethode der Endometriose auf den Markt gebracht werden. Die Endometriose ist eine chronische gynäkologische Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut gleicht, auch außerhalb der Gebärmutter vorkommt. Dies führt zu chronischen entzündlichen Reaktionen.
Die Division Medical Care erforscht und entwickelt Produkte zur Überwachung des Dia-betes, für die Radiologie und die interventionelle Kardiologie. Außerdem sind strategi-sche Allianzen mit anderen Unternehmen zum Austausch von Technologie und Know-how geplant. Zu den F&E-Schwerpunkten auf dem Gebiet Blutzuckerkontrolle gehören die leichte Bedienbarkeit der Messgeräte, Messgenauigkeit und Initiativen auf dem Ge-biet E-Health, die die Datenerfassung und -auswertung vereinfachen. Im Bereich Medi-zingeräte konzentriert sich die Division auf die Entwicklung von neuen Mechanismen für die Kontrastmittel-Injektion und Systemen für vaskuläre Interventionen zur Behandlung verengter oder verschlossener Blutgefäße. Dazu gehört auch Cotavance, ein arzneibeschichteter Ballonkatheter. Weitere Schwerpunkte sind die molekulare Bildgebung und Gesundheitsinformatik.
Durch die Akquisition der neuseeländischen Bomac Gruppe mit Firmensitz in Auckland stärkt die Division Animal Health ihre Forschungsaktivitäten im Nutztierbereich. Der Standort bildet neben Monheim und Shawnee (USA) ein neues, regionales Entwick-lungszentrum. Die steigende Nachfrage nach tierischem Eiweiß erfordert innovative Lösungen für lebensmittelproduzierende Tiere. Ein weiteres wichtiges Segment ist die Behandlung altersbedingter Erkrankungen bei Hobbytieren. Weiter gilt es, für bekannte Wirkstoffe neue Darreichungsformen und anwenderfreundliche Applikationen zu entwickeln.
Die Division Consumer Care konzentriert Forschung und Entwicklung auf den Ausbau bestehender Marken durch Erweiterung von Indikationen und optimierte Darreichungs-formen. Darüber hinaus werden gezielt bisher rezeptpflichtige Pharmazeutika gesucht, die als nicht verschreibungspflichtige Produkte („over the counter“) vermarktet werden können.
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